01.10.2014

Grüne und FDP als Jammer-Opposition

Große Koalition ist eine schwierige Zeit für die Opposition. Zu groß das Lager der Regierenden, zu leise die Stimme der Andersdenkenden. Dann doch lieber jede Menge Selbstmitleid. Bei einem Termin beteuern FDP-Chef Lindner und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Hofreiter, dass sie nichts gemeinsam hätten. Dabei eint sie das größte gemeinsame Hindernis. (…)

Die beiden Männer sitzen auf einem Podium im Haus der Bundespressekonferenz und diskutieren über die These „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“. So heißt das neueste Buch des Publizisten Hugo Müller-Vogg. Und plötzlich stellen sich doch viel mehr Gemeinsamkeiten bei den beiden Oppositionellen heraus, als diese wahrhaben wollen.

Wichtigster Punkt dabei: Egal, ob im Parlament oder draußen – beide beißen sich an Angela Merkel die Zähne aus. „Sie hat die Bevölkerung sediert“, sagt Hofreiter. „Merkel schweigt zu vielen innenpolitischen Fragen, schwebt über den Dingen, lässt alles treiben“, analysiert Lindner. „Merkel ist Schuld, dass sich Bräsigkeit breit macht“, klagt der Grüne. „Merkel hat keine Idee. Sie beruhigt Konflikte. Das ist aber zu wenig“, resigniert der Liberale. (…)

Die GroKo als Wohlfühl-Modell

Wundern müsse sich niemand, schreibt übrigens Müller-Vogg. Die Deutschen seien „geradezu konsenssüchtig“. Die Mehrheit habe Schwarz-Rot gewollt. Und harte Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition „sind ihnen zuwider“.

Politik ohne allzu scharfe Akzentuierung, ohne allzu heftigen Streit und ohne sich unversöhnlich gegenüberstehende Lager komme der deutschen Mentalität auch deshalb entgegen, weil die meisten Menschen sich scheuten, politisch Farbe zu bekennen.

Für zwei Drittel der Deutschen sei die Regierung Merkel/Gabriel „ihre Regierung“. „Die Wahrscheinlichkeit, bei politischen Gesprächen am Arbeitsplatz oder in der Freizeit zur Mehrheit zu gehören, ist demzufolge hoch. Große Koalition, sie war und ist aus der Sicht der Mehrheit ein Wohlfühl-Modell.“

„Kuschelkoalition“ könnte Deutschlands Zukunft verspielen

Trotzdem bleibt die Frage, ob das Volk das wirklich verdient hat. Nicht nur die beiden Oppositionspolitiker setzen hier ein entschiedenes „Nein“. Der Buchautor warnt, 2014 könne zum Jahr werden, in dem Deutschland begonnen habe, seine Zukunft zu verspielen. „Gut möglich, dass wir das eines Tages sagen müssen. Jedenfalls dann, wenn die schwarz-rote Kuschelkoalition weitere drei Jahre „Wünsch dir was“ spielt.“

Quelle: www.focus.de vom 30. September 2014


» Artikel kommentieren

Kommentare



Drucken
Müller-Vogg am Mikrofon

Presse

15.10.2020 | Bad Homburger Woche

Ein virtuelles „Saumagen-Essen“

» mehr

Buchtipp

Wolfgang Bosbach: "Endspurt - Wie Politik tatsächlich ist - und wie sie sein sollte“. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg.

Wolfgang Bosbach:

» mehr

Biografie

Dr. Hugo Müller Vogg

Hugo-Müller-Vogg

» mehr