Presse

09.04.2014 | Trierischer Volksfreund

Brüderle rechnet mit dem Stern ab

2013 war nicht das tollste Jahr für Rainer Brüderle. Erst verlor der damalige FDP-Fraktionsvorsitzende einen Machtkampf mit Parteichef Philipp Rösler. Dann machte ihn der Stern zum Zentrum einer "Sexismus-Affäre". Im Sommer, mitten im Wahlkampf, stürzte Brüderle schwer. Und im September flog die FDP aus dem Bundestag. Danach war der 68-Jährige nur noch ein Schatten seiner selbst. Daran gemessen sah Brüderle gestern gut aus bei der Präsentation seines ersten Buches nach der Politik. Er hat sich den Frust von der Seele geredet, das Werk ist ein Interviewband. Vor allem den Frust über den Stern, über die "Medienkampagne" gegen ihn.

Ausgerechnet Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken, präsentierte den Band in Berlin. Gysi kann mitfühlend sein, er hatte Brüderle noch am Wahlabend per SMS bemitleidet. Ebenso Volker Kauder, der Unionsfraktionschef. Der erschien als Zuhörer zur Buchpräsentation, "ein Freundschaftsbesuch", und holte sich eine Ausgabe mit persönlicher Widmung ab.

"Jetzt rede ich", heißt der Titel, und Brüderle beantwortet in dem Werk erstmals auch Fragen zu den Sexismus-Vorwürfen. Bisher hatte er dazu immer nur eisern "Kein Kommentar" gesagt. Man erfährt, dass er sofort seine Frau anrief, als das Stern-Heft im Januar 2013 erschien, dass sie hinter ihm stand, und dass alles so nicht stimmt. Es seien nur harmlose Sprüche gewesen, die das Magazin ein Jahr später benutzt habe, als er gerade Spitzenkandidat seiner Partei geworden war. "Das war von langer Hand vorbereitet." Man merke in dem Buch, sagte Gysi, "dass er ein bisschen wütend ist". Wohl immer noch. Am heutigen Donnerstag erscheine der Stern schon mit einem Verriss des Buches, obwohl die Redaktion es noch gar nicht kennen könne, sagte Brüderle. "Ein getroffener Hund bellt."

Ansonsten kartet der Liberale an keiner Stelle und gegen niemanden nach, obwohl er auch innerparteilich tiefe Wunden davongetragen hat. Aber er will keine verbrannte Erde hinterlassen, sondern am Wiederaufbau der FDP mitwirken. Ohne selbst allerdings noch Ämter-Ambitionen zu haben, wie er betont. Dass er 2011 das Wirtschaftsministerium an Philipp Rösler abgeben musste - bitter, aber das sei das Wahlrecht des neuen Vorsitzenden gewesen, schreibt Brüderle. Dass Rösler ihn nach der Niedersachsenwahl im Machtkampf um die Führung austrickste - "Rivalitäten sind in einer Partei nicht ungewöhnlich". Kritik, wenn überhaupt, beschränkt sich auf wenige Einzelpunkte. An Guido Westerwelle zum Beispiel nur auf dessen Satz von der "spätrömischen Dekadenz". Auch über Angela Merkel enthält das Werk kein böses Wort. Außer vielleicht, dass er ihr Verhalten nach der Wahlniederlage der FDP "als formal" empfand. Merkel meldete sich erst nach einigen Tagen. Lieber übt Brüderle in dem Buch Selbstkritik: "Wir hätten in der Koalition härter und energischer agieren müssen. Teile der Wähler fanden uns eben als zu leicht." So erklärt er sich den Niedergang seiner Partei. Und glaubt, dass sie wiederkommt. Zum Schluss des Werkes hält der Pfälzer diesbezüglich eine Wette mit dem Interviewer, dem Journalisten Hugo Müller-Vogg. Einsatz Brüderle-typisch: "Eine Flasche guter deutscher Wein".

Quelle: Trierischer Volksfreund vom 9. April 2014



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