Presse

3.8.2005 | Welt

Manfred oder Hugo

Wahlhilfe

von Eckhard Fuhr

Heiner Geißler findet das Buch "Schröder oder Merkel", das die Journalisten Manfred Bissinger und Hugo Müller-Vogg als "schnelle Wahlhilfe" auf den Markt geworfen haben, "nicht übel". Es sei gut geschrieben, leicht zu lesen und handlich. Und doch ist Heiner Geißler, der in der Rotunde der Dresdner Bank dem Verlag Hoffmann und Campe half, das Buch aus der Taufe zu heben, mit dem Werk nicht wirklich zufrieden. Es gehe am 18. September nicht um Schröder oder Merkel, sondern um eine "Richtungsentscheidung".

Die beiden Autoren nahmen dieses Stichwort gern auf. "Schröder oder Merkel", das sei eben die Zuspitzung dieser Richtungsentscheidung. Aber sie hatten Heiner Geißler nicht richtig verstanden. Der wollte eigentlich ausdrücken, daß die Alternative Schröder oder Merkel eine Scheinalternative sei. Er sagte das nicht direkt, sondern um mehrere Kurven herum und durch Verschlingungen hindurch. Aber als das Wort "Wirtschaftssystem" heraus war, wurde klar, worauf er hinaus wollte: Schröder und Merkel stünden für die Reform-Einheitssoße, die der deutschen Politik von einem neoliberalen Meinungskartell verordnet werde. Statt dieser Soße brauche Deutschland eine freimütige Debatte über das Wirtschaftssystem.

Heiner Geißler ist Mitglied der CDU, nicht der Linkspartei. Als einsamen Geisterfahrer wird man ihn gleichwohl nicht bezeichnen können. Sein Antikapitalismus artikuliert eine Stimmung, gegen die die Reform-Matadore Schröder und Merkel gleichermaßen zu kämpfen haben. Im Lichte der Systemfrage sind sich die beiden auffallend ähnlich. Sie unterziehen sich der Mühsal, Sein und Bewußtsein der Deutschen den Bedingungen des globalen Kapitalismus anzupassen. Warum also nicht gleich eine große Koalition bilden?

Müller-Vogg und Bissinger sind als schwarz-rotes Autorenduo ein gut eingespieltes Team. Da sie vor allem über die Vorzüge ihres Favoriten und weniger über die Schwächen des Gegners schreiben, hat ihre Wahlhilfe nicht immer die Trennschärfe, die sie verspricht. Irgendwie hat Geißler recht.

(Welt)



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