Presse

15.01.2008

Immer erst Mehdorn fragen




Übersieht man das Vorwort, ist das neue Interviewbuch über den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, kein Jubelbuch. »Bild«-Kolumnist Hugo Müller-Vogg stellt die richtigen Fragen. Aus den Antworten lernt man immerhin, wie der Chef der Staatsbahn tickt.


Wir erfahren in den Interviews, dass Mehdorn Berliner ist, auch wenn er zufällig in Warschau geboren wurde. Dass er als Jugendlicher mit im Schwindelkurs umgetauschter Ostmark den Ostsektor besuchte. Dass er ein Schüler mit nur durchschnittlichen Zensuren war. Mehdorn spricht über seine Begeisterung für das Fliegen und für Frankreich, seinen Aufstieg als Maschinenbau-Ingenieur bei Airbus, über den Wechsel »ohne Abfindung« zu Heideldruck, den Ruf als Bahnchef und die Schwierigkeit, als kleiner Mann schlank und elegant zu erscheinen, was viele von Managern erwarten. Und doch bleibt der Blick in die Privatsphäre versperrt.

Einigermaßen überrascht ist man über Mehdorns durchaus sympathische Bemerkungen zu Unternehmern (»einiges ist verwildert«) und die Fixierung auf den »Shareholder Value«: »Wenn Sie ein Unternehmen so führen, dass die Anteilseigner reich werden, die Belegschaft aber stinksauer ist, dann geht das nicht lange gut.«

(...)

Dementsprechend teilt Mehdorn rasch in Freund und Feind ein, je nachdem, ob jemand für den Börsengang nach seinem Muster ist oder nicht. Deshalb ist ihm auch die Lokführer-Gewerkschaft suspekt. Deren Vorsitzender Manfred Schell stimmte »seinerzeit im Deutschen Bundestag schon nicht für die Bahnreform«. Dagegen ist Norbert Hansen, Chef der DGB-Gewerkschaft Transnet, »betriebsnah«. Glänzend war und ist auch das Verhältnis zu den Verkehrsministern von Klimmt bis Tiefensee, bis auf einen: Kurt Bodewig. Der habe es gewagt, »ohne Vorwarnung oder gar Diskussion« auf einem Grünen-Parteitag zu sagen, »dass er Netz und Betrieb trennen wollte«. Nachfrage Müller-Vogg: »Aber das darf er doch als Verkehrsminister sagen, oder etwa nicht?« Antwort: »Ja, natürlich. Man muss aber auch die, die Verantwortung tragen, einbinden.« Also immer erst Mehdorn fragen.


Aus: Neues Deutschland vom 15.01.2008
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