30.03.2024

Ostermarschierer erwecken den Eindruck, als gefährde Deutschland den Weltfrieden

Es wäre ein Friede ganz nach Putins Geschmack. Ein auf diese Weise „eingefrorener“ Krieg gäbe den Russen in den von ihnen annektierten Teilen der Ukraine freie Hand.

Wer seine Soldaten nicht mehr an der Front braucht, kann sie im Innern einsetzen. Das heißt: Die russische Armee hätte mehr Kapazitäten, um Jagd auf „Faschisten“ zu machen. Wobei jeder ein „Faschist“ ist, der sich der putinschen Willkür nicht freiwillig unterwirft.

Bei den rund 80 Ostermarsch-Kundgebungen am Karfreitag und Karsamstag hieß die Zauberformel: mit Putin verhandeln. Dabei übersahen Redner wie Zuhörer nur zu gerne, dass der Kreml-Zar überhaupt nicht ans Verhandeln denkt.

„Die Welt steht buchstäblich in Flammen“

Putin hatte erst kürzlich die rhetorische Frage gestellt, „sollen wir verhandeln, nur weil denen jetzt die Munition ausgeht?“. Und das so beantwortet: Das wäre „lächerlich“.

Im Aufruf zu den diesjährigen Ostermärschen heißt es: „Die Welt steht buchstäblich in Flammen: Der Krieg in der Ukraine findet kein Ende.“ Über den Anfang dieses Krieges wird bezeichnenderweise nichts gesagt.

Irgendwie muss man, wenn man den Ostermarschierern folgt, den Eindruck gewinnen, die Bundesrepublik gefährde derzeit mit ihrer Politik den Weltfrieden.

Folglich fordert die Ostermarsch-Bewegung „eine grundlegende Abkehr von Kriegslogik und Militarisierung“ - wohlgemerkt in Deutschland, nicht in Russland.

Das „Netzwerk Friedenskooperative“, das zu den Kundgebungen aufrief, ist sich sicher: Angesichts der weltweiten Kriege „braucht es die Ostermärsche dringender denn je." Das sehen selbst die Mitglieder der zahlreichen örtlichen Friedensinitiativen, der Linkspartei oder der Gewerkschaften offenbar anders.

Massenzulauf sieht anders aus

Jedenfalls stießen die Ostermärsche im Vergleich zu den Großdemonstrationen gegen Rechtsextremismus im Januar und Februar auf eine äußerst geringe Resonanz. 3.500 Teilnehmer in Berlin, 500 in München, 300 in Köln – Massenzulauf sieht anders aus.

Da half es auch nicht, dass neben pro-russischen auch antiisraelische und antisemitische Demonstranten mitmarschierten. So waren in Berlin unter anderem Schilder mit den Aufschriften „Freundschaft mit Russland – Viva Palästina“, „Frieden in Russland“ und „Genozid in Gaza“ zu sehen, ebenso russische und palästinensische Fahnen.

Trotz pro-palästinensischer Schützenhilfe führt die Ostermarschbewegung auch in diesem Jahr nur noch ein Schattendasein gegenüber ihren Hochzeiten in den 1980er-Jahren. Damals demonstrierten bis zu 700.000 Menschen gegen die Nato-Nachrüstung.

Nicht einmal Putin braucht diese willigen Helfer; dafür sind sie viel zu wenige

In einem Punkt ist die Friedensbewegung sich treu geblieben – bei ihrem Verständnis und ihrer Sympathie für Moskau.

Vor 40 Jahren wandte sie sich gegen die Stationierung amerikanischer Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik. Darin sahen die Ostermarschierer eine Gefahr für den Frieden – nicht in den auf die Bundesrepublik gerichteten SS-20-Rakten der Sowjetunion mit atomaren Sprengköpfen.

Jetzt ist es nicht viel anders: Nicht Putin hat mit seiner aggressiven Politik die Gefahr eines Flächenbrandes heraufbeschworen. Das tun aus Sicht der Ostermarschierer vielmehr die Bundesregierung, die USA und andere Europäer, die der überfallenen Ukraine beistehen.

Nein, diese Ostermärsche braucht hierzulande niemand „dringender denn je“. Nicht einmal Putin braucht diese willigen Helfer; dafür sind sie viel zu wenige.

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 30. März 2024)


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