21.03.2024

BASF- CEO sagt, was in Deutschland schiefläuft – und dass nur „mehr Markt“ hilft

Martin Brüdermüller, Vorstandsvorsitzender des Chemieriesen BASF, sprach in diesen Tagen Klartext: „Wir machen überall in der Welt Gewinne außer in Deutschland. Der Standort Ludwigshafen macht 1,6 Milliarden Verlust.“

Es war eine positive und gleichzeitig negative Botschaft. Positiv, weil das weltweit größte Chemieunternehmen weiß, wie man effektiv produziert und mit Gewinn verkauft. Negativ, weil es der BASF mit Stammsitz im rheinland-pfälzischen Ludwighafen nicht gelingt, die Nachteile des Standorts Deutschland auszugleichen.

Es ist aber nicht so, dass Brudermüllers Aussage auf ein spezielles BASF-Problem hinwiese. Die im Börsenindex Dax notierten 40 führenden deutschen Unternehmen erlösen nämlich 75 bis 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Auch die Produktion erfolgt zu einem weit höheren Teil im Ausland als bei mittleren Unternehmen.

Eine bedenkliche Entwicklung für den Standort Deutschland

Siemens, Adidas oder SAP sind deutsche Unternehmen, die in erster Linie vom Ausland leben. Aus der Sicht dieser Manager und der Aktionäre ist es zweitrangig, wo das Geld verdient wird. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Arbeitsplätze ist das aber eine bedenkliche Entwicklung. Das ist aber kein Phänomen der großen Konzerne. Banken berichten von den zunehmenden Klagen ihrer mittelständischen Kunden. Die gingen zwar nicht aus Deutschland weg, bauten neue Produktionsstätten aber im Ausland, in anderen EU-Ländern und nichts zuletzt in den USA.

In diesem Zusammenhang ist häufig von der drohenden Deindustrialisierung Deutschlands die Rede. So klagt das den Wirtschaftsverbänden nachstehende „Institut der deutschen Wirtschaft (IW)“, die Politik mache es für Unternehmen, „alles andere als attraktiv, in Deutschland zu investieren.“

Fazit des IW: Die Politik müsse „die Investitionsbedingungen drastisch verbessern“. Anderenfalls könnte sie die Deindustrialisierung „stark beschleunigen“.

Deutschland wird für bestimmte Branchen „weniger attraktiv“

BASF-Chef Brudermüller, für seine bisweilen eigenwilligen Einschätzungen bekannt, hält den Begriff der Deindustrialisierung dagegen für “zu hart“. Das sähe ja so aus, als würde „alles verschwinden“. Das sei aber definitiv nicht der Fall.

Brudermüller ist jedoch überzeugt, dass der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt, also der gesamten Wirtschaftsleistung am Standort Deutschland, zurückgehen werde. Das gelte für energieintensive Industrien wie Chemie, Zement oder Stahl. Insbesondere Deutschland werde für diese Branchen „weniger attraktiv“ sein.

Die BASF hat bereits die Konsequenzen aus den in Deutschland überdurchschnittlich hohen Energiepreisen gezogen. Brudermüllers Rezept: Kosten senken und die eine oder andere nicht mehr wettbewerbsfähige Anlage in Deutschland stilllegen.

Zugleich hat Brudermüller, der in Kürze bei BASF in den Ruhestand geht, keine Scheu, in China weiterhin kräftig zu investieren. So baut das Unternehmen für 10 Milliarden Euro eine petrochemische Anlage im Südosten Chinas.

Kein „De-Risking“ in Bezug auf China

Das von der Politik geforderte „De-Risking“ macht sich der BASF-CEO nicht zu eigen. Die BASF sei zwar in Deutschland zuhause, aber „in hohem Maße von der Welt abhängig“. Aus dieser Sicht haben intakte wirtschaftliche Beziehungen zu China für die BASF Vorrang vor politischen Überlegungen, die Abhängigkeit von diesem Land zu verringern.

Ohnehin setzt Brudermüller lieber auf unternehmerische Stärke als auf politische Hilfen. Seine These: Die europäische Industrie und damit auch die deutsche könnte ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, indem man die „unsichtbare Hand des Marktes ihre Arbeit tun lässt.“

Brudermüller kritisierte scharf, dass in Brüssel und in den meisten europäischen Hauptstädten die Neigung vorherrsche, „Veränderungen durch Vorschriften zu erreichen“.

Dass er damit auch die Ampel-Regierung in Berlin meint, steht außer Zweifel. Schließlich hat selbst Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die wirtschaftliche Lage als „dramatisch schlecht“ bezeichnet. Die Zahlen der BASF im Stammwerk Ludwigshafen belegen dies deutlich.

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 21. März 2024)


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