29.12.2021

Minister Laumanns peinliche Falschinformation

Was Karl Laumann, der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister, jetzt in einem Fernsehinterview verkündete, hörte sich geradezu sensationell an. Der CDU-Politiker wörtlich: „Das Neue an dieser Omikron-Variante ist, dass sie sich nicht nur durch Tröpfchen überträgt, sondern dass sie sich auch ähnlich wie Masern durch die Luft überträgt." Mit anderen Worten: Unsere Sorgen, sich die Alpha- oder Delta-Variante von Covid-19 in geschlossenen Räumen „in der Luft“ einzufangen, wären unbegründet gewesen.

Das ist – um es deutlich zu sagen – falsch. Denn das Covid-19-Virus wurde schon immer in erster Linie durch Aerosole übertragen. Die Gefahr der sogenannten Schmierinfektion ist anfänglich überschätzt worden. Deshalb tragen wir Masken, deshalb haben Schulen wie Restaurants Luftfilteranlagen einbauen lassen, deshalb sind wir gut beraten, häufig zu lüften. Das alles eben nicht erst seit ein paar Wochen, sondern seit nunmehr bald zwei Jahren.

Laumanns „Neuigkeit“ ist gar keine

Laumann ist nicht der erste Politiker, dem vor Mikrofonen und Kameras eine Formulierung völlig missglückt ist. Sagen wollte er, dass die Corona-Variante Omikron sich offenbar leichter in Form von Aerosolen verbreitet, als das bei den Vorgängern Alpha oder Delta der Fall war. Dabei bezog er sich auf eine Studie des Kölner Gesundheitsamtes. Tatsächlich hat er jedoch den Eindruck erweckt, als wäre die Virus-Verbreitung durch die Luft nach 23 Monaten Pandemieerfahrung etwas sensationell Neues.

Die PR-Abteilung versagt völlig

Das rechtfertigt keineswegs die Häme, die Laumann in den sogenannten sozialen Medien entgegenschlägt. Nicht Laumanns verbaler Lapsus ist bedenklich. Bedenklich ist, dass seine engsten Mitarbeiter offenbar den Fehler ihres Chefs erst gar nicht bemerkt haben. Das Interview war aufgezeichnet worden. Kommunikationsprofis hätten also die Zeit vor der Ausstrahlung genutzt, eine Korrektur zu veranlassen oder das Interview zurückzuziehen. Doch die Pressestelle des Ministeriums wachte offenbar erst auf, als der digitale „Shitstorm“ bereits eine bedenkliche Windstärke erreicht hatte.

Karl Laumann ist ein Medienprofi; er kann Krisenkommunikation. Das hat vielfach bewiesen. Er ist aber nicht unfehlbar. Da geht es ihm wie unzähligen anderen Politikern. Sein Problem: Die Kommunikations-Amateure seines Hauses haben hier auf der ganzen Linie versagt. Wer solche Helfer hat, braucht keine Feinde mehr.

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 29. Dezember 2021)


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