21.03.2021

K-Frage bei den Grünen: Es kann nur eine geben - Annalena Baerbock

Hoffen darf man ja. Wer bei den Grünen darauf spekuliert, die Partei könne im September das Kanzleramt erobern, kann nach den Landtagswahlen vom Sonntag mehr hoffen denn je. Nicht so sehr wegen der Ergebnisse. Die 33 Prozent von Baden-Württemberg waren in erster Linie ein Kretschmann-Ergebnis und mit den 9,3 Prozent in Rheinland-Pfalz lag man nur knapp vor der AfD. Mut macht den Grünen jedoch, dass die von der CDU/CSU angeführte Bundesregierung bei der Bekämpfung der Pandemie von Panne zu Panne stolpert und die SPD einen Kanzlerkandidaten Olaf Scholz hat, der von sich selbst ungleich mehr hält als die Wähler. Also: Dass die Grünen im Bund die stärkste Partei werden, ist keinesfalls ausgemacht, aber auch nicht ausgeschlossen.

Jedenfalls sind sie selbstbewusst genug, dass sie einen Kanzlerkandidaten aufstellen wollen. Pardon: Es geht natürlich – theoretisch – um einen „für das Kanzleramt kandidierende Person (w/m/d)“. Da die Ko-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck bekennende Heterosexuelle sind, läuft das Ganze auf die Frage hinaus: Mann oder Frau? Baerbock oder Habeck? Nun hat Habeck erst kürzlich bekundet, falls Baerbock die Frauenkarte spielen würde, hätte sie das erste Zugriffsrecht auf die Kandidatur. Aber zugleich hat er – sybillinisch wie gelernte Philosophen nun mal zu reden pflegen – hinzugefügt, dass das Kanzleramt respektive Kanzlerinamt nicht quotiert werden könne. Soll heißen: Das Geschlecht kann nicht das entscheidende Kriterium sein.

„Frauen first“ ist Teil der Grünen-DNA

Gut möglich, dass Habeck auf diese Wese versucht, seine schwindenden Chancen auf den Spitzenplatz in der Grünen-Hierarchie etwas zu verbessern. Denn in der Partei ist Baerbock beliebter als er. Und überdies ist sie eine Frau. Was kann da ein Mann bei den Grün*innen noch ausrichten? Bei Lichte besehen ist die K-Frage bei den Grünen entschieden – und zwar zugunsten von Baerbock. Das kann – aus vielerlei Gründen – gar nicht anders sein.

Erstens ist es Bestandteil der Grünen-DNA, dass nichts wichtiger sein kann und darf als Geschlechter-Parität. Strikte Parität heißt: Frau geht vor Mann. Alle Kandidaturen folgen also dem Strickmuster: Frau – Mann – Frau – Mann. (Dass Diverse bei dieser möglicherweise überholten Sicht der Geschlechterfrage dabei unter den Tisch fallen, wollen wir hier nicht weiter erörtern.) Zweitens steht aus Sicht der Grünen fest, dass auf diesen Quoten-Plätzen das Geschlecht das formal wichtigste Kriterium ist. Diese Quoten-Logik schließt ein, dass eine Frau bei der Postenvergabe niemals weniger qualifiziert sein kann als ein Mann. Wer daran zweifelt, ist ein unbelehrbarer Macho. Nein: Frauen sind im grünen Weltbild die besseren Menschen und die qualifizierteren Politikerinnen. Was denn sonst?

Frauen sind die besseren Politiker. Basta.

Aus all dem folgt drittens, dass nur Annalena Baerbock Kanzlerkandidatin werden kann, ja dass sie Kanzler_innenkandidatin werden muss. Würden die Grünen Habeck aus anderen Gründen vorziehen, würde die Partei ihre eigene Quoten-Logik widerlegen, wonach eine Frau „never ever“ weniger qualifiziert sein kann als ein Mann. Ganz abgesehen davon: Baerbock selbst fühlt sich in jeder Beziehung qualifiziert für das wichtigste Amt im Staat: „Für mich gilt, Frauen und Mütter müssen in diesem Land jeden Job machen können.“ Wer wollte es wagen, diese Feststellung zu bezweifeln? Für eine feministische Partei wie die Grünen wäre das so, als würde die katholische Kirche die Unfehlbarkeit des Papstes leugnen. Fassen wir zusammen: Bei der Union müssen Armin Laschet und Markus Söder noch untereinander klären, wer antreten darf oder muss. Bei den Grünen gilt die feministische Variante des Highlander-Prinzips: Es kann nur eine geben.

(Veröffentlicht auf www.focus.de am 19. März 2021)


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