23.12.2019

Mein politischer Wunschzettel zu Weihnachten

Liebes Christkind,

wie immer bin ich mit meinem Wunschzettel spät dran. Aber wenn der Satz, „Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger“, zutrifft, dann doch wohl bei Dir. Hier also meine Wunschliste. Es geht dabei nicht um die üblichen Geschenke, sondern um das, was ich mir als Bürger für dieses Land wünsche. Nur wenn es dem Land insgesamt gut geht, kann es auch jedem Einzelnen gut gehen.

Und das sind meine politischen Wünsche für und an unser Land:

• dass wir generell optimistischer sind und nicht den Weltuntergangspropheten folgend in tiefer Depression versinken;

• dass wir bei allem Ärger über die Brüsseler Bürokratie nicht den Blick darauf verlieren, dass nur ein einiges Europa im Wettbewerb mit den USA und China eine Chance hat;

• dass wir uns über Folgendes bewusst werden: Friede auf der Welt lässt sich bisweilen nur mit militärischen Mitteln sichern oder wiederherstellen, und Deutschland kann dabei nicht abseits stehen;

• dass die Klimapolitiker sich eingestehen: Deutschland allein kann das Weltklima nicht grundlegend verändern.

• dass das Parlament, die Regierung und die Gerichte klare Regeln aufstellen – und Vorbilder bei der Einhaltung derselben sind;

• dass die Macher beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sich daran erinnern, was ihre wichtigste Aufgabe ist: objektive Information und nicht politische Beeinflussung;

• dass selbsternannte Gesinnungs- und Sprachpolizisten endlich einsehen, dass sie den politischen Diskurs einschränken, die politischen Ränder stärken und unser aller Freiheit begrenzen;

• dass wir alle Gerechtigkeit wieder im Sinne von Chancen-Gleichheit verstehen und nicht im Sinne von Ergebnis-Gleichheit;

• dass wir dem Leistungsprinzip Vorrang einräumen vor staatlicher Gleichmacherei – in Bildung und Ausbildung wie im Arbeitsleben;

• dass die Aktionäre der großen Unternehmen bei der Vergütung der Top-Manager wieder das Leistungsprinzip einführen, also Versagen nicht länger mit Boni belohnen;

• dass wir den Sozialstaat so verstehen, dass die Allgemeinheit denen hilft, die wirklich Hilfe brauchen, nicht denen, denen aus wahltaktischen Gründen mehr gegeben werden soll;

• dass diese Erkenntnis um sich greift: Selbst bei Enteignung aller „Reichen“ reichte das Geld nicht, um allen angeblich Armen ein Leben im Wohlstand zu finanzieren;

• dass viel mehr Bürger sich politisch engagieren, statt von der Couch aus „die Politiker“ pauschal als unfähig, faul und gierig zu beschimpfen;

• dass für das Klima engagierte Jugendliche nicht diktatorische Maßnahmen als Preis für die Rettung der Welt akzeptieren;

• dass Politiker, Publizisten und engagierte Bürger das um sich greifende Freund-Feind-Denken überwinden und im politischen Wettstreit Härte nicht mit Hass gleichsetzen;

• dass unter Demokraten Konsens hergestellt wird, den Kampf gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Antisemitismus nicht Seit‘ an Seit‘ mit gewaltbereiten, linksradikalen „Antifaschisten“ führen zu können;

• dass der Satz von Willy Brandt, „Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land“, zur Basis für einen realistischen Optimismus wird.

Liebes Christkind,

ich weiß, ich weiß: Mein politischer Wunschzettel ist ziemlich lang geworden. Auch wenn das Leben kein Wunschkonzert ist: Wann, wenn nicht an Weihnachten, darf man noch träumen, wünschen und hoffen.

In diesem Sinne: Frohes Fest!

Veröffentlicht auf www.focus.de am 23. Dezember 2019.


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