19.07.2019

Vielfliegerin Schulz will das Fliegen teurer machen

Beim Fliegen wird die Umwelt durch Treibhausgasemissionen besonders stark belastet. Umweltministerin Svenja Schulze will das ändern, sie will das Fliegen teurer machen. Dabei will die Sozialdemokratin nicht erst auf eine europäische Lösung warten; das soll schnell geschehen. Ihre „Waffe“: eine nationale Luftverkehrsabgabe, um das Fliegen zu verteuern, den Flugverkehr zu reduzieren und damit auch den CO2-Ausstoss zu senken.

Man könnte – gerade im Inland – das Fliegen auch auf andere Art unattraktiver machen: zum Beispiel durch bessere und preiswertere Angebote der Bahn. Aber die SPD-Ministerin greift lieber zur Preiskeule. Denn höhere Flugpreise treffen vor allem Geschäftsreisende, also „die da oben“. Da kann sie bei den grünen und roten Klimaaktivisten auf zusätzlichen Beifall hoffen.

Teurere Flugtickets mögen bei den Befürwortern einer anderen Klimapolitik gut ankommen. Peinlich nur, dass Frau Schulze im eigenen Haus – im Bundesumweltministerium – genau das Gegenteil von dem tut, was sie von anderen erwartet. Die Ministerin, ihre Staatssekretäre, Beamten und Angestellten sind in diesem Jahr (Januar bis Juli) zwischen den beiden Standorten des Ministeriums, Bonn und Berlin, 1740 Mal dienstlich hin und her geflogen. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2019 läuft das auf rund 3000 Flüge hinaus. Damit dürfte ausgerechnet das Umweltministerium seinen ökologischen Fußabdruck gegenüber dem Vorjahr deutlich vergrößern. Denn im gesamten Jahr 2018 sind die hauptberuflichen Umweltschützer „nur“ 2755 Mal vom Rhein an die Spree geflogen und umgekehrt.

Schulze begründet ihren Vorstoß für höhere Flugpreise unter anderem damit, „dass wir uns beim Klimaschutz ehrlich machen müssen“. Falls sie das ehrlich meint, müsste sie nicht nur dafür sorgen, dass ihre eigenen Mitarbeiter zwischen Berlin und Bonn den ICE nehmen. Sie müsste überdies darauf drängen, dass die anderen Ministerien die „Beamten-Verschickung“ zwischen dem alten und dem neuen Regierungssitz ebenfalls zugunsten der Bahn deutlich reduzieren. Denn wer dem Klima zuliebe von den Bürgern Einschnitte verlangt, der sollte selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Natürlich könnte Schulze auch sagen, da die Bahnfahrt zwischen Berlin und Bonn fünf Stunden und damit mehr als vier Mal so lange wie ein Flug dauere, hätten ihre fliegenden Beamten mehr Zeit, am Schreibtisch die Umwelt zu retten. Aber „sich ehrlich machen“ sieht anders aus.

Svenja Schulze ist offenbar entschlossen, die Deutschen zu umweltbewussten Bürgern zu erziehen – um jeden Preis. Sie sollte sich eine Maxime des großen Pädagogen Heinrich Pestalozzi zu Herzen nehmen: Erziehung durch Vorbild.

Veröffentlicht auf www.focus.de am 19. Juli 2019.


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