Presse

03.07.2018 | Der Tagespiegel

Fragen des Tages

„Manchmal ist es Zeit zu gehen Einige sagen, die CSU sei wie ein Kleinkind, das seine Rassel nicht bekommt. Andere wittern ein abgekartetes Schauspiel. Klar ist nur: Horst Seehofer steckt in einer Sackgasse. Und Angela Merkel? Wenn man versucht, die Dinge zu ordnen aus diesen letzten Stunden, die ja immer noch die letzten der Unionsgemeinschaft sein könnten - wenn man also nach klaren Linien im Chaos sucht, dann gab es diesen einen hellen Moment. Den Augenblick spät in der Nacht zu Montag, als Horst Seehofer seinen Rücktritt verkündete. Er habe drei Möglichkeiten, erläuterte der CSU-Chef seinen Truppen. Er könne auf Zurückweisungen an der Grenze verzichten, obwohl er Angela Merkels Brüsseler Verhandlungsergebnisse gerade zur wirkungslosen Farce erklärt hat, und sich lächerlich machen. Er könne als Innenminister diese Zurückweisungen anordnen und das Ende von Regierung und Fraktionsgemeinschaft in Kauf nehmen. Er entscheide sich daher für den dritten Weg: Rückzug aus allen Ämtern. Er werde am Mittwoch 69 Jahre alt und habe genug erreicht im Leben.(…)

Noch einmal zwei Stunden und viele Gespräche hinter den Kulissen später schiebt sich ein etwas blasser Seehofer durch die Kamerateams vor der Tür und gibt die Verschiebung des Rücktritts bekannt. Er werde ein letztes Mal mit Merkel reden; gebe es keine Einigung, werde er gehen. „Und das ist jetzt ein Entgegenkommen von mir“, sagt Seehofer.

Entgegenkommen? Die Drohung mit der Selbstentleibung? In Berlin ziehen manche böse Vergleiche: Die CSU führe sich auf wie ein Kleinkind, das trotzig aufstampft, um seine Rassel zu kriegen. Der Publizist Hugo Müller-Vogg, sicher kein Merkel-Buddy, zitiert aus Seehofers Auftritt bei „Maischberger“: „Wenn ich zurücktrete, dann muss das nach der Fallbeil-Methode gehen: Sagen und aufhören.“ Nun also eine Weltpremiere, spottet Müller-Vogg: „Das schwebende Fallbeil!“ (…)

Quelle: Der Tagesspiegel, Berlin, vom 3.7.2018



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Müller-Vogg am Mikrofon

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