17.04.2017

Die Deutschtürken sind Erdogans willige Helfer

64 Prozent der in Deutschland lebenden Türken haben beim Referendum mit Ja gestimmt. Sie haben Ja gesagt zur Umwandlung einer Demokratie in ein autoritäres Regime, Ja zur willkürlichen Verhaftung von zehntausenden Türken, Ja zum Verbot von Zeitungen, Ja zur Gleichschaltung der Justiz, Ja zur Einschränkung elementarer Bürgerrechte. Man muss daraus folgern: Die Mehrheit der Deutschtürken hält nichts von Demokratie und Rechtsstaat, von Meinungsfreiheit und einer unabhängigen Justiz.

Das passt natürlich nichts ins Bild von Gutmenschen, die immer noch von einer deutschen Multikulti-Idylle träumen. Folglich tun sie alles, um das Ja der Deutschtürken zum Sultan Erdogan zu relativieren. Ihre Rechnung: Bei uns leben 1,5 Millionen Deutschtürken mit türkischem Pass. Die waren am Sonntag wahlberechtigt. Da aber nur 50 Prozent am Referendum teilgenommen haben, entsprechen die 64 Prozent rund 480.000 Erdogan-Anhängern – also „nur“ 480.000 von 1,5 Millionen Wahlberechtigten.

Das ist eine politisch korrekte Schönrechnerei. Wenn 50 Prozent der Wahlberechtigten Deutschtürken ihre Stimme nicht abgegeben haben, obwohl so viel auf dem Spiel stand, war das auch ein Statement: Sie demonstrierten, wie gleichgültig es aus ihrer Sicht ist, ob die Türkei eine Demokratie bleibt oder in ein autoritäres Ein-Mann-Regime abgleitet. Mit anderen Worten: 750.000 Deutschtürken ist die Demokratie egal und 480.000 haben freudig für den Demokratie-Gegner Erdogan gestimmt.

Dies zeigt mit erschreckender Klarheit: Die meisten Türken bei uns sind allenfalls formal integriert, leben und arbeiten hier und halten sich an die Gesetze. Sie schätzen ihre wirtschaftlichen Chancen und die Großzügigkeit unseres Sozialsystems. Doch die offene, freiheitliche Gesellschaft ist ihnen ebenso fremd wie gleichgültig.

Viele von ihnen, die sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben, verstanden dies nicht als Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes, sondern als Erleichterung ihres täglichen Lebens. Es ist es kein Zufall, dass Sultan Erdogan gerade bei den in Deutschland lebenden Auslandstürken so viele willige Helfer und Unterstützer für sein Ermächtigungsgesetz fand. Seine "deutschen" Landsleute waren für seine Zwecke nützlicher als viele in der Türkei lebende Türken.

Beim Erdogan-Referendum hat sich wieder einmal gezeigt, dass das Multikulti-Konzept krachend gescheitert ist – nicht am fehlenden Willen der meisten Deutschen, sondern am Unwillen der türkischen Mehrheit, sich hier nicht nur formal, sondern auch mentalitätsmäßig zu integrieren. Auch wenn das nicht ins Bild vom angeblich neuen, bunten multikulturellen Deutschland passt: Viele unserer türkischen Mitbürger sind in ihrer Parallelgesellschaft lebende, vielfach vom deutschen Steuerzahler alimentierte Antidemokraten. Am Sonntag haben sie das selbst bezeugt – mit dem Stimmzettel ebenso wie durch Wahlenthaltung.

Veröffentlicht auf www.huffingtonpost.de am 17. April 2017.


» Artikel kommentieren

Kommentare

Ihr Kommentar ist gefragt

Dieser Blog lebt auch von Ihren Kommentaren. Bitte beachten Sie jedoch beim Kommentieren unbedingt die Blogregeln. Wir weisen außerdem daraufhin, dass wir keine Links in den Kommentaren akzeptieren.

CAPTCHAX



Drucken
Müller-Vogg am Mikrofon

Presse

16.11.2017 | Bad Homburger Woche

Polit-Prominenz beim „Saumagen-Essen“

» mehr

Themen

Die Rache der Geschichte

Der Verkauf der „Frankfurter Rundschau” ist ein tragikomisches Stück. Nicht nur müssen es die verbleibenden Redakteure nun bei der „FAZ" schaffen. Nein, auch das Gelände, auf dem sie dies tun werden, ist ideologisch vermint.
» mehr

Zwei Pässe sind undemokratisch

Bei der Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft wird ein entscheidender Punkt oft vergessen: Zwei Pässe sind undemokratisch und räumen Doppelstaatlern mehr politischen Einfluss ein als „einfachen“ Deutschen.
» mehr

Der Tag an dem Sigmar Gabriel Kanzler von Rot-Rot-Grün wird …

Rund um den Jahreswechsel blickt „Cicero Online“ nach vorne und entwirft Szenarien für das Jahr 2013, die auf den ersten Blick unrealistisch wirken und doch einen Kern von Wahrheit in sich bergen.
» mehr

Buchtipp

Wolfgang Bosbach: "Endspurt - Wie Politik tatsächlich ist - und wie sie sein sollte“. Ein Gespräch mit Hugo Müller-Vogg.

Wolfgang Bosbach:

» mehr

Biografie

Dr. Hugo Müller Vogg

Hugo-Müller-Vogg

» mehr