Presse

08.12.2011 | Blickpunkt

Spenden statt Blumensträuße

In der Oktober-Ausgabe (Nr. 41/2011) von „Blickpunkt“, der Mitgliederzeitschrift des „Tuberöse Sklerose e.V.“, erschien das folgende Interview mit Hugo Müller-Vogg.

Herr Dr. Müller-Vogg, so viel wir wissen, ist in Ihrer Familie niemand von Tuberöse Sklerose betroffen. Dennoch sammeln Sie seit Jahren Spenden für unseren Verein. Wie kam es zu diesem Engagement?

Da muss ich etwas ausholen: Meine Frau und ich geben seit mehr als 20 Jahren einmal im Jahr eine größere Einladung mit etwa 70 Gästen – unser traditionelles „Saumagen-Essen“. Anfangs saßen wir danach vor einer Sammlung verschiedener Weine, Blumensträußen und CDs, weil Gäste nun einmal etwas mitbringen wollen.

Dagegen ist ja nichts einzuwenden.

Richtig. Aber was machen Sie mit zwölf Blumensträussen, wenn Sie wie ich unter Heuschnupfen leiden? Wir haben die am nächsten Tag in die Kapelle eines kleinen Klosters in unserer Nachbarschaft gebracht. Aber das löste nicht das Problem mit Weinen, deren Geschmacksrichtung uns nicht zusagte (lachte). Also sind wir dazu übergegangen, unsere Gäste um Spenden für eine gute Sache zu bitten, und zwar für verschiedene gemeinnützige Organisationen.

Und wie kamen Sie auf die Tuberöse Sklerose?

Eines Tages – das muss 2001 oder 2002 gewesen sein – saßen wir bei einer Veranstaltung mit dem Ehepaar Koch zusammen. Dabei erzählte Frau Koch unter anderem von ihrer Schirmherrschaft für die TS und von dieser schlimmen, heimtückischen Krankheit. Wenn man davon zum ersten Mal erfährt, wird man sehr nachdenklich und sehr dankbar, dass das eigene Kind gesund ist. Jedenfalls machte meine Frau den Vorschlag, bei unserer nächsten Einladung unsere Gäste um Unterstützung der TS-Arbeit zu bitten.

Und Sie waren einverstanden?

Ein guter Ehemann findet Vorschläge seiner Frau immer gut (lacht). Aber im Ernst: Ich fand diese Idee auch deshalb sehr gut, weil ich beim Spenden gerne kleinere Organisationen bevorzuge. Und zwar aus zwei Gründen: Die bekannten „Spenden-Staubsauger“ kommen leichter an Geld als nicht so bekannte Vereinigungen. Und außerdem neigen gemeinnützige Großorganisationen dazu, die eigene Bürokratie größer werden zu lassen, als es sein müsste. Bei kleinen Vereinen kann man in der Regel davon ausgehen, dass die Spendengelder fast vollständig ihrem eigentlichen Zweck zufließen. Wir haben jedenfalls 2002 zum ersten Mal um Spenden für TS gebeten.

Wie haben Ihre Gäste darauf reagiert?

Die meisten fanden das sehr gut. Geld zu überweisen ist einfacher, als einen Blumenstrauß zu besorgen. Und außerdem gibt’s eine Spendenquittung. Da ist mancher großzügiger, als er bei einem normalen Geschenk wäre.

Also sind sie jetzt von der Blumenschwemme befreit?

Mehr oder weniger, ja. Aber gut, man kann auch nicht jeden zu einer Spende zwingen. Doch die meisten unserer Gäste sind großzügig. Unter 100 Euro bleibt so gut wie kein Paar, die meisten überweisen 200 Euro, einige aber auch 500 Euro oder 1000 Euro. Unser Freundes- und Bekanntenkreis ist sehr gemischt: Da sind Topmanager darunter, aber auch Leute mit ganz normalen Gehältern. Deshalb erfährt auch niemand, was die anderen Gäste gespendet haben. Ich nenne aber bei meiner Begrüßung immer eine Gesamtsumme. Da kann sich dann jeder selber ausrechnen, ob er über oder unter dem Durchschnitt liegt (lacht).

Sie haben eingangs erwähnt, dass Sie früher für verschiedene Organisationen um Spenden gebeten haben. Inzwischen sind Sie seit 2002 der TS treu. Was gab den Ausschlag?

Das hat sehr viel mit der Überzeugungskraft von Frau Koch zu tun. Sie hat uns erklärt, dass es zu wenige TS-Kranke gibt, um die Pharmaindustrie dazu bewegen zu können, mehr in Forschung und Entwicklung entsprechender Medikamente zu investieren. Außerdem haben wir uns inzwischen über diese Krankheit informiert und wissen, wie dringend die betroffenen Kinder und nicht zuletzt ihre Eltern auf Unterstützung angewiesen sind. Wir sind auch beeindruckt von dem großartigen Engagement der Vereinsmitglieder.

Das freut uns natürlich.

Jetzt hätte ich beinahe noch einen ganz wichtigen Grund vergessen. Die TS stellt die Spendenquittungen unverzüglich aus. Das darf man gar nicht unterschätzen. Wenn ich beispielsweise für eine Spende nach Monaten noch keine Quittung habe, gebe ich dieser Organisation keinen Euro mehr.

Haben Sie mal zusammengerechnet, wie viel Geld bei Ihren Einladungen bisher zusammengekommen ist?

Bei neun „Saumagen-Essen“ und zwei Geburtstagsfeiern kamen etwa 75.000 Euro zusammen. Aber in diesem Jahr gibt es das nächste „Saumagen-Essen“.



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