28.06.2020

Sehnsucht nach Familie

Politiker müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, sie wären von vielen Gesetzen selbst gar nicht betroffen. Das gilt beispielsweise für die gesetzliche Rente. Zu Zeiten von Corona ist das anders. Die Einschränkungen bei persönlichen Kontakten galten und gelten auch für das politische Personal. Zudem versuchen die meisten Politiker Vorbild zu sein, wenngleich das nicht immer gelingt, wie Fotos einer hitzigen Diskussion des sächsischen Ministerpräsidenten mit Corona-Demonstranten zeigten – mit einem Michael Kretschmer (CDU) ohne Maske.

Selbst wenn kein Gesetz es Großeltern verbietet, ihre Enkel zu sehen, waren gerade Politiker gut beraten, ihre Enkel in den vergangenen Wochen nicht zu sich kommen zu lassen oder sich etwa mit betagten Eltern zum Kaffeeplausch niederzulassen. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Die Grünen) bekannte, es sei ihm “schon sehr ans Gemüt“ gegangen, als er die zwei und fünf Jahre alten Enkel bei der „familiären Videokonferenz“ weinen sah, weil sie unbedingt mal wieder zu Oma und Opa wollten. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wiederum beantwortete die Frage, was er seit dem Lockdown am meisten vermisst habe, ungewohnt sentimental: Er würde mal gerne wieder seine Eltern in den Arm nehmen. (hm)

(Veröffentlicht im Magazin „CICERO“, Heft 7/2020)


» Artikel kommentieren

Kommentare