10.04.2018

Die Deutsche Bank als fünfte Kolonne der Linken

Die Deutsche Bank, einst strahlendes Aushängeschild für „Erfolg made in Germany“, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. International hat sie den Anschluss verloren, ihre Aktionäre haben viel Geld eingebüßt, Kunden wurden enttäuscht, das Filialnetz ausgedünnt, Arbeitsplätze abgebaut. Die Deutsch-Banker haben sich nicht nur verzockt. Sie haben auch zehn Jahre nach der großen Finanzkrise noch immer kein neues, zukunftsfähiges Geschäftsmodell entwickelt.

Das ist die rein ökonomische Seite, und die ist düster genug. Die Deutsche Bank und ihre Topmanager haben sich aber noch an anderer Stelle schuldig gemacht, haben der gesamten deutschen Volkswirtschaft Schaden zugefügt: Sie haben nämlich das Modell der Marktwirtschaft in Misskredit gebracht, haben alle Vorurteile gegen „geldgierige Manager“ und „Raffkes in Nadelstreifen“ bestätigt. Sie haben den weit verbreiteten Eindruck bestätigt, an den Märkten bestimmten nicht Angebot und Nachfrage das Geschehen; vielmehr werde mit gezinkten Karten gespielt. Nicht der Beste gewinne, sondern der Gerissenste. Und weil manche ihrer Manager meinten, sie stünden über Recht und Gesetz, haben sie in vielen Ländern der Erde gegen Gesetze verstoßen und mussten hohe Strafen zahlen. Dass die Deutsche Bank bis vor knapp einem Jahr mit dem Slogan „Leistung aus Leidenschaft“ geworben hat, klingt im Nachhinein wie ein schlechter Witz.

Wollte man jemandem das Wesen der Marktwirtschaft am Beispiel der Deutschen Bank erklären, landete man unweigerlich bei folgender Definition: Marktwirtschaft ist, wenn die Spitzenmanager eines Unternehmens die persönliche Profitmaximierung als vordringliches Ziel erachten, wenn Operationen am Gesetz vorbei durchaus vorkommen, wenn die Führungskräfte grundsätzlich nicht für das Verantwortung übernehmen, was sie zu verantworten haben, und wenn bei unvermeidlichen Personalwechseln die Gescheiterten so entlohnt werden, als hätten sie das Unternehmen von Erfolg zu Erfolg geführt.

Es gibt in diesem Land politische Kräfte, die unsere marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung für die Mutter aller Übel halten. Dazu zählen in erster Linie die Partei Die Linke, aber auch linke Flügelmänner und –frauen von SPD und Grünen, nicht zuletzt Gewerkschafter. Sie alle werden das Desaster der Deutschen Bank als willkommene Gelegenheit nutzen, um schärfere Gesetze, mehr Staat und weniger Markt zu fordern. Und das Schlimme dabei: Die deutsche Bank liefert ihnen die Argumente – ebenso wie der Volkswagen-Konzern – frei Haus.

Die These sei gewagt: Linke Politiker und linke Gewerkschafter können mit ihren Reden und Sprüchen der Marktwirtschaft nicht so sehr schaden wie die Deutsche Bank mit ihrer Strategie des Durchwurstelns, mit ihrer Mischung aus Missmanagement und Arroganz. Dieser Schaden könnte auf mittlere Sicht für das ganze Land noch größer sein als die aktuellen Folgen für Aktionäre und Mitarbeiter.

Veröffentlicht auf www.focus.de am 10. April 2018.


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