Presse

24.01.2010 | Vortrag CDU Worms

Bei Müller-Vogg bekam jeder „sein Fett weg“

Die Wormser CDU hatte zu ihrem Neujahrsempfang dieses Mal keinen populären Unionspolitiker, sondern den durchs Fernsehen bekannten Publizisten Hugo Müller-Vogg eingeladen. Und der freie Journalist, der für seine markanten, pointenreichen und teilweise provokanten Kommentare bekannt ist, nahm auch in Worms kein Blatt vor der Mund. Damit traf er den Geschmack der etwa 200 Besucher im Narrhalla-Vereinsheim. Doch bevor der ehemalige Mitherausgeber der FAZ und jetzige Kolumnist sprach, begrüßte der Kreisvorsitzende Hans-Joachim Kosubek die Wormser CDU-Mitglieder. Er ging dabei auf das zurückliegende Marathon-Wahljahr 2009 mit insgesamt 16 Wahlen ein. Auch gab er einen Ausblick auf die anstehenden Entscheidungen. Im besonderen Fokus der Wormser Christdemokraten würden hier natürlich die Landtags sowie die Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2011 stehen.

Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Dr. Klaus Karlin, war es dann vorbehalten, Brigitte
Böhm für 30 Jahre zu ehren, die sie für die Fraktion tätig gewesen war.

Hugo Müller-Vogg als wortgewaltiger Matador


Dann trat der wortgewaltige Matador Hugo Müller-Vogg in den Ring oder exakter, ans Rednerpult. Um es vorweg zu nehmen, Müller-Vogg ist natürlich ein Konservativer, dessen Sympathien ganz eindeutig bei der CDU liegen. Dennoch teilt er in alle Richtungen aus, wenn auch stets von seinem konservativen, marktorientierten Blickwinkel aus. Seine Kritik galt dabei sowohl dem Turbokapitalismus wie auch dem Sozialismus. Müller-Vogg stellte denn auch bezüglich eines Mittelweges die provokante Frage: Hat das Konzept der sozialen Marktwirtschaft
versagt? Nach kurzer Pause gibt Müller-Vogg dann auch gleich die Antwort: „ Eine freie
Marktwirtschaft alleine funktioniert nicht, denn sie nimmt keine Rücksicht auf Schwache, die bei
der rasanten Entwicklung nicht mithalten können. Also braucht man klare und eindeutige Regeln
für die Wirtschaft, doch darf dies nicht zu einer Allmacht des Staates führen.“

Müller-Vogg sprach hier die Tendenz in der bundesdeutschen Politik an, dass der Staat sich zu
immer mehr Bereichen Zutritt verschafft und dieses in feste Regelungen gießen möchte. So hätte es 1969 eine Staatsquote von 39 Prozent gegeben. Heute hätte Deutschland eine Staatsquote von 48 Prozent. Im gleichen Zeitraum seien die Sozialleistungen dramatisch gestiegen. So würde inzwischen jeder dritte Euro, der in Deutschland verdient würde, für Sozialausgaben verwandt. 

Müller-Vogg hob auch darauf ab, dass die Angehörigen der leistungsbereiten Mittelschicht, die eigentlich Dummen seien. Denn während der Millionär im Zweifelsfall sein Geld im Ausland
habe, müsse der normal verdienende Angestellte eine so hohe Steuerlast tragen, dass sie demotivierend sei. Es käme nicht von ungefähr, dass jedes Jahr 160.000 Deutsche auswanderten.

„Wo soll dies hinführen?“, fragte Müller-Vogg rhetorisch und schob gleich noch eine weitere
Zahl nach. So würden mittlerweile 40 Prozent der Deutschen, darunter 20 Millionen Rentner,
von Transferleistungen des Staates leben. Dies wiederum würde die Demokratie gefährden. Diese Menschen würden selbstverständlich so wählen, dass sie möglichst hohe Transferleistungen erhalten würden. Was zur Konsequenz hätte, dass bald eine Mehrheit
von Transferempfängern über die Minderheit der Arbeiter und Angestellten bestimmen würde.

Mit energischen Worten sagte Müller-Vogg unter dem großen Applaus der Zuhörer: „Dann kommen wir bald zu einem Rundumsozialstaat, der nicht mehr zu finanzieren ist.“

Müller-Vogg übte aber auch heftige Kritik am Turbokapitalismus: „Es gibt Dinge, die tut man einfach nicht und andere sollten selbstverständlich sein. Im Positiven spreche ich hier etwa über die hanseatische Kaufmannsehre.“ Banker, so argumentierte er weiter, hätten hingegen jedes Maß verloren. So wären etwa die Commerzbankmanager, nach dem sie gerade Unsummen auf den globalen Finanzmärkten versenkt und 18 Milliarden Euro vom Staat erhalten hätten, vor kurzer Zeit bei der Bundesregierung vorstellig geworden, um wieder höhere Gehälter und Bonuszahlungen durchzusetzen, da sie mit ihrem – immer noch üppigen – Jahresgehalt
angeblich nicht auskommen würden.

Am Ende seiner feurigen und pointenreichen Rede verließ Müller-Vogg den Themenkomplex
Wirtschaft- und Finanzpolitik und wandte sich politisch-gesellschaftlichen Fragestellungen
zu. Den Start der Bundesregierung mit ihrem ewigen Hickhack und einem teils unklaren
Kurs kritisierte er hier besonders. Den Koalitionsvertrag hielt er für schlecht ausgehandelt. Der FDP schrieb er ins Stammbuch: „Es ist leichter, ein Wahlprogramm zu schreiben als einen Haushaltsentwurf vorzulegen.“

Beim Fall Steinbach kritisierte er das Einknicken der Bundeskanzlerin und mahnte die CDU
an, ihre konservativen Wähler im Blick zu haben.

Politisch interessant und unterhaltsam


Insgesamt ein hoch interessanter Abend, und dies auch für Zuhörer, die nicht unbedingt Müller-
Voggs Meinungen teilten. Denn in der lebhaften, sprudelnden und polarisierenden Art, wie sie der Kolumnist vortrug, besaßen sie einen großen Unterhaltungswert und regten zum Nachdenken oder auch zur, zumindest geistigen, Gegenrede an.

Aus: Nibelungenkurier, Worms, vom 21.01.2010
Hugo Müller-Vogg als Gastredner beim Neujahrsempfang der CDU Worms



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Müller-Vogg am Mikrofon

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